Wie Männer ihre Körperlichkeit nutzen in Trauer und Schmerz

Kürzlich kam Thomas* ins »mannebüro züri« in eine Beratung. Seine langjährige Ehefrau war sechs Monate zuvor nach langem Krebsleiden gestorben. Sie hatten eine liebevolle Beziehung, seine Ehefrau war für ihn eine wunderbare Frau, Partnerin und Mutter seiner Kinder gewesen. Die intensive Betreuungszeit hatte die bereits engen Familienbande noch verstärkt. Die beiden Kinder waren eine große Hilfe gewesen. Nun ist Ruhe eingekehrt, die Trauer, Leere und emotionale Müdigkeit sind aber immer noch groß. Doch Thomas kam nicht seiner Trauerarbeit wegen in die Beratung, sondern weil ihn ein anderes Thema zunehmend belastete. Er besuchte gelegentlich Prostituierte und schämte sich dafür enorm.

Der 57-Jährige hatte schon während der Krankheitszeit seiner Frau Milieubesuche gemacht. Die partnerschaftliche Sexualität hatte der Krankheit wegen keinen Platz mehr, erzählte er. Das habe ihn erst nicht so belastet, es sei einfach etwas gewesen, um aufzutanken. Sexualität, körperliche Nähe, gehalten werden seien für ihn immer wichtig gewesen, aber er habe das seiner Frau nicht mehr zumuten wollen. Nun kann er den Sex nicht mehr genießen, er findet es blöd, dass er für Intimität bezahle. Thomas: »Ich will das doch gar nicht auf diese Art, aber ich komme nicht weg davon. Manchmal zieht es mich richtig hin zu einer Prostituierten.«

Die Situation von Thomas zeigt anschaulich, welche Rolle Sexualität in der Bewältigung von emotionalen Prozessen spielen kann. Und sie ist ein typisches Beispiel dafür, wie Männer Sexualität zuweilen nutzen. Es ist wichtig, das genauer anzuschauen, auch unter einem geschlechtsspezifischen Blickwinkel. Es gibt Unterschiede, wie Frauen und Männer Sexualität einsetzen und genießen können – oder eben darunter leiden. Männer machen zum Beispiel je nach Studie bis zu zehn Mal häufiger Selbstbefriedigung als Frauen, sie nutzen deutlich mehr Pornografie, und fast nur Männer gehen zu Prostituierten.

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