Sie sind noch nicht einmal 30 Jahre alt und greifen vermehrt zu Potenzmitteln, die ursprünglich für die Generation ihrer Väter gedacht waren. Warum machen sie das? Und ist das überhaupt schlimm?

Die Absage kommt spätabends. «Ich kann nicht», schreibt er in einer Mail, «es tut mir leid. Ich hoffe, Sie können das nachvollziehen: Es ist mir unangenehm.» Drei Tage später sitzt David dann doch auf einer Restaurantterrasse in Baden. Seine Freundin hat ihn überzeugt, zum Treffen zu kommen, «vielleicht hilft es ja etwas», hat sie zu ihm gesagt. Vielleicht hilft es, etwas zu verstehen, das im ersten Moment nicht zu verstehen ist.

David nahm zwei Jahre lang regelmässig das Potenzmittel Viagra. Etwa eine Stunde vor dem Sex hat er eine der himmelblauen Pillen geschluckt. Viele ältere Männer mit Erektionsstörungen tun das. In der Schweiz sollen gemäss Schätzungen der Gesellschaft für Urologie 500 000 Männer betroffen sein. David aber ist erst 23 und körperlich gesund. Er hat Versagensangst. Er ist einer dieser Männer, über die der Basler Männerarzt und Paartherapeut Marco Caimi sagt: «Es ist ein trauriges Thema: Junge, gesunde Männer, die verzweifeln, weil sie sexuell verunsichert sind. Deshalb greifen sie vermehrt zu Medikamenten, zu Viagra oder anderen Potenzmitteln. Das Phänomen nimmt seit fünf, sechs Jahren eindeutig zu. Und die Männer werden immer jünger.» Er erlebt das immer häufiger in der Praxis. Nicht nur Caimi fragt sich, was da gerade schiefläuft. Kürzlich schrieb ein 16-Jähriger in einem Forum, er habe Angst vor dem ersten Mal. «Wie komme ich an Viagra?»

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